Der von der Sperrung des Alten Fischereihafens betroffene Krabbenfischer Hans Bruhns hat sich zu den bevorstehden Ostertagen seine Gedanken gemacht. Lesen Sie den langen Beitrag aus der Sicht eines Betroffenen:
Für Menschen, die Cuxhaven kennen und solche, die dies bisher versäumt haben unsere salz-und jodhaltige Luft trägt zur Stabilisierung ihrer Gesundheit bei. Ganz dicht können Sie die großen Schiffe an sich vorbeifahren sehen. Kilometerweit können Sie auf dem Deich spazieren gehen und auf die Elbe schauen. Ein Erlebnis sind die großen Wattwanderungen auf festem Watt-Untergrund. Vom Hallen-Meerwasser-Brandungsbad können Sie über das Wasser draußen schauen. Wir haben auch ein Schloss mit einem schönen Park. Ebenso haben wir einen Kurpark mit allen möglichen Tieren. Der Wernerwald mit schönen Wanderwegen reicht bis an das Wasser. Auch für Hundehalter gibt es an der Alten Liebe eine große Hundewiese. Die alte Liebe ist wie eine große Terrasse zum Ausblick auf den Elbschifffahrtsweg. Fischlokale bieten in perfekter Art maritime Köstlichkeiten an. Krabben kann man auch gleich nach dem Fang kriegen und das Pulen dort lernen. Zwei Einkaufsstraßen laden zum Schoppen ein. Es gibt noch unzählige andere interessante Sehenswürdigkeiten. Vom Bahnhof aus gibt es genug Busverkehr in alle Stadtteile. Unterkünfte und Stellplätze gibt es genug.
Ganz neu sind die Schildbürgerstreiche in unserer Stadt, die vom ostfriesischen Hafenamt zelebriert werden. Der kleine Streich ist wohl noch an der Aussichtsplattform »Alte Liebe« zu erkennen, wo das Oberdeck immer noch mit Ketten abgesperrt ist. Eine Warnung deutet darauf hin, dass nicht gestreut ist. Für Ostern und weiterhin wird offenbar mit Schnee und Glatteis gerechnet. Ein Foto mit Datumsanzeige lohnt sich. Der größere Streich sollte unbedingt besucht werden. Es handelt sich um einen Zaun in der Art eines Viehgitters am zugänglichen Pier des »Alten Fischereihafens«. Um zu wissen, was es damit auf sich hat, wird das hiermit erklärt:
Vor Ca.110 Jahren wurde in dem festen Grund ein Hafenbecken eingeschnitten. Viele Unterstützungspfähle wurden eingebracht, die dann darüber eine Platte trug. Darüber kam dann der Straßenbelag. An der Seite zum Wasser unterhalb der Platte wurde eine Spundwand mit vielen Betondielen nebeneinander tief in den Grund des Hafens eingelassen, die das Wasser von der Hinterfüllung abhalten sollte. Diese Wand wiederum ist auch oben mit der Konstruktion fest verankert. Unter der Platte wurde der feste Kleieboden eingebracht. Der Hafen hat drei Seiten. 1978 wurde saniert, weil es oben Versackungen gab. Noch einmal wurden Unterstützungspfähle eingebracht. Dieses Mal wurde eine Winkelstützmauer aufgebracht, die ein Verschieben unmöglich machte und einen größeren Halt nach oben gab, so dass nun nicht mehr Versackungen vorkamen. Auf Schienen wurden sodann die Panzer zur Verladung auf die Schiffe hier entlanggefahren, und es gab keine Versackungen. An der Hafenseite vor der Winkelstützmauer, aber auch vor der unteren Spundwand wurde mit ein bisschen Stahl als Halt Beton wie ein Putz angespritzt. Vor einigen Jahren wurde das Hafenamt in private Hände gelegt. Der Chef soll ein guter Kaufmann sein. Er hat auch einen Doktortitel und müsste sehr intelligent sein. Die jährlich anfallende Bauunterhaltung unterblieb aber.
Liegegebühren wurden nicht genommen, weil man das sonst auch nicht gemacht hatte. Geld kam nicht in die Kasse. Der Hafen wurde unrentabel, was der Rechnungshof auch beanstandete. Der Doktor wusste keinen Rat, was er mit diesem Hafen machen sollte. Investoren waren auch da, wurden aber nicht angenommen. Der Hafen sollte nun der Stadt übergeben werden. Die wollte ihn auch nicht haben, weil er angeblich zu teuer wäre. Nun wollte ihn der Chef, Herr Dr., einfach zuschütten, aber das ging auch nicht, weil vor dem Hafen schon ein Sperrwerk gebaut worden war, das den Hafen schützen sollte. Zudem gibt es schon eine Genehmigung, vor dem Hafenbecken ein Hotel zu bauen, das »Hafenhostel«, das nach Zuschütten keinen Hafen mehr vor sich hätte. Die Fischer sollten aber erstmal raus, dass der Hafen frei wäre und dann vielleicht für Investoren besser anzubieten sei. So wurde auf der ganzen Länge des Piers ein Viehgitterzaun gesetzt. Jetzt gingen aber die Fischer auf die Barrikaden und bauten den Zaun in Nacht-und-Nebel-Aktion wieder ab. Das durften sie nicht, und so wurde der Zaun wieder aufgebaut. Von dem ostfriesischen Chef wurde nun ein Gutachten bestellt, das zeigen sollte, dass diese Pier wie die anderen Seiten einsturzgefährdet seien. Das misslang, der Gutachter wurde noch mal stark angestoßen und sagte jetzt so aus, dass die Pier nun doch einsturzgefährdet sei. Diese Aussage sollte aber noch verbessert werden. So versuchte sich ein weiterer Gutachter, der nun in vollem Galopp den sofortigen Einbruch der ganzen Anlage von 700 m voraussagte. Er hatte zwar keine Unterlagen und beurteilte nur nach Annahmen, aber immerhin war er ja ein »Gutachter«. Die Deutschen sind auch weiterhin demütig und hörig, wenn es um respektvolle Titulierungen geht. Bei einem Professor, Dr., Richter, Sachverständigen, Gutachter, Kanzler, Präsident, etc. möchte man sich keine Widersprüche leisten. Das Gutachten war jedoch derart dilettantisch, wie ein anderer Gutachter sagte, dass sich nun Widerstand regte. Die Firma, die sonst immer große Hafenbauwerke erstellt hatte, bei der sich dieser Gutachter früher aufhielt, meinte dann auch gleich, vor der standfesten Konstruktion noch eine Mauer erstellen zu müssen. Die Kosten stiegen von 7 bis auf 30 Mio. €.
Das Gutachten wurde zerpflückt, und heraus kam, dass derart starke Ungereimtheiten darin stecken, dass dieses Gutachten mit dem sofortigen Einbruch als nicht mehr haltbar erkannt wurde, so dass der Zaun abgebaut werden könnte. Der Herr Doktor hatte aber seinen Kopf –der Zaun blieb! Jetzt bewegte sich die Initiative weiter und wurde aktiv und regte bei den Weisungsbefugten zu Reaktionen an. Der oberste Landesherr von Hannover meinte dazu, dass er sich in technischen Dingen nicht auskennen würde. Er wollte sich aus der Sache ziehen. Eine 14-jährige Gymnasiasten hatte das zwar begriffen, aber manchmal hat der Intellekt mit dem Alter nichts zu tun. Der Landesherr hätte eingreifen können, aber er tat es nicht. Nun gibt es noch einen Staatssekretär, der sich eigentlich gut auskennen würde, weil er aus Cuxhaven kommt. Der hatte auch geschimpft, aber seine Worte trug der Wind einfach fort. Dann gibt es noch den Chef einer großen Partei, der meinte, dass man mit solchen Viehgittern leben müsste. Auf dem Helgoländer Kai steht bereits ein solches Gitterlabyrinth. Ebenso wurde ein anderer Kai abgezäunt, weil die Amerikaner Angst vor Terror aus Deutschland haben, die aber Cuxhaven wenig oder gar nicht mehr anlaufen. Dann gibt es einen anderen Chef einer regierenden Partei in unserer Stadt, der noch ein größeres Märchen von Münchhausen erzählte. Demnach würden sich nur die ersten 3 m Boden und Belag auf den Weg machen und die Winkelstützmauer, auf der Boden und Belag liegen, die Konstruktion zerbrechen und den vorderen Teil nach vorne schieben und in den Hafen plumpsen lassen. So was ist kaum noch verständlich.
Dann gibt es einen weiteren Chef einer großen Partei, der ganz abgetaucht war und sich nur äußerte, dass er stark an der Sache arbeiten würde. Bis heute ist er nicht mehr aufgetaucht. Dann gibt es noch den neuen OB, der ganz lieb ist und es allen recht machen möchte. Der ist auch mal gegen die Elbvertiefung und dann wieder dafür und gegen den Zaun, dann aber wieder wegen der angeblichen Einsturzgefahr dafür, aber er ist nett. Dann endlich, aber auch vor Wochen, meldete sich der ostfriesische Herr Dr., er hätte nun eine ganz tolle Idee. Er könnte als Zwischenlösung oder auch Dauerlösung Pontons in den Hafen legen, an denen die Fischer oder auch andere Fahrzeuge festmachen könnten. Außerdem würde endlich mal ein bisschen Schlick aus dem Hafen geblasen werden. Das entsprechende Spezialschiff wartet nur auf den Einsatz. Mit der Pier hat das nichts zu tun, aber bis heute ist nichts geschehen. Es ist ein Versprechen wie der Hauch eines Windes. Dann endlich haben sich die Ingenieure dieses akademischen Leiters des Hafenamtes bewegt und sich nun mal nach einem halben Jahr herumdackelei vor Ort ein Bild gemacht. Sie haben alles eingesehen und wissen, dass der Zaun unnötig ist, so wie es ein Minister schon vor einem halben Jahr gesagt hatte, aber nun wollen sie ein viertes Gutachten einholen. Erst mal soll mit einer Kamera hinter die Spundwand gefahren werden. Sie haben zwar auf der anderen Seite gesehen, was sie dort finden werden, nämlich feste Verfüllung und dort, wo ein Loch ist ein wenig Wasser und Luft durch das Ausspülen. Aber die betreffende Seite ist eben etwas anderes als die anderen Seiten, obwohl alles in der gleichen Art und in der gleichen Zeit gebaut worden ist, aber das ist ja was anderes, so sagt man immer wieder. Während dieser Zeit muss der Zaun stehen bleiben. Wie lange das noch dauert ist ungewiss. Der Zaun ist an den Schienen festgeschweißt, aber er ist an vielen Stellen offen, so dass man auch viele Menschen dort spazieren gehen sehen kann. Lkw mit Anhänger und auch Kräne stehen oder bewegen sich dort.
An zwei Kaikanten sind schon die Leitern abgebaut. Wenn dort einer ins Hafenbecken fällt, dann schwimmt er sich eben tot. Rettungsringe sind keine vorhanden oder sie befinden sich teils vor dem Zaun, so dass man den schweren Ring über 2 m Zaun und 8 m Sicherheitsbreite und dann im Hafen genau vor den Hineingefallenen werfen muss, ein Fall für den Eintrag in das Buch der Rekorde. Der Chef vom Hafenamt meint, man müsse sich schützen, weil man ja Verantwortung trägt. Wenn dort LKWs fahren, so ist das nicht so schlimm, aber wenn Menschen zu Schaden kämen, dann wäre man dran. Wie ist das zu erklären, wenn man Notleitern abbaut, die Fischer dort belässt, die ja auch über die Pier aussteigen müssen, oder die LKW-Fahrer. Hier stößt man offenbar auf unerklärliche ostfriesische Auffassungen. Der Chef muss es aber wissen, denn der ist so schlau, dass er schon sagt, dass er bei dem vielen Wissen schon ein halber Ingenieur ist. Vielleicht hat dieser intelligente Mensch ja auch nur einen halben Dr. Titel – wer weiß. Dann gibt es noch einen Wirtschaftsminister. Der ist ein sehr netter angenehmer Mensch. Der ist auch an Investoren interessiert. Nun gibt es einen Investor, der den ganzen Hafen übernehmen möchte, der viel bauen würde, der den Hafen auf eigene Kosten in Ordnung bringen würde, der ganz viel Arbeitsplätze schaffen könnte, der sich bemüht, die hoch dekorierten Fachmenschen anzusprechen, aber die blocken ab. Ein solches Verhalten nennt man auch Schildbürgerei. So bleibt alles ruhig, nur die Medien berichten manchmal und lassen die Menschen hinter die Fassade blicken. Der Zaun mit den vielen kleinen Trauerschleiern ist schon merkwürdig anzusehen. Touristen schauen sich das an, sind irritiert, fragen, was das soll und können diese Handlungen nicht nachvollziehen. Wie der Werbespruch für Cuxhaven lautet: »Fix was los in Cux«, so sollte man sich dieses Mahnmal für Schildbürgerei unbedingt ansehen, denn man weiß nicht, wie viele Monate und Jahre diese Eulenspiegelei noch besichtigt werden kann. Aber wie schon berichtet, hat Cuxhaven auch noch sehr viel anderes sehr Schönes und Interessantes zu bieten, und so kann man bei einem Besuch viele außerordentliche Impressionen genießen. Packen Sie Ihre Koffer und fahren Sie los. Cuxhaven ist nicht zu verfehlen. Es ist die kleine Stadt an der Landspitze zwischen den Flüssen Elbe und Weser und hat ein besonderes Klima, das Sie kaum woanders finden.
Ganz liebe Ostergrüße an Touristen und Neugierige!
Kommentare
Sehr gut geschrieben und euch allen auch Frohe Ostern!!!
www.fischereimuseum-cuxhaven.de
... Der Name des neuen Museums ist "Windstärke 10". Die Grundsteinlegun g ist auf den 11.04.2012 festgelegt. Dann wird auch der Niedersächsisch e MP David Mc Allister anwesend sein...
Wir werden auch dort sein !!!
Bernhard Jaeger
Besser hätte man es nicht beschreiben können, was in unserer schönen Stadt im Argen liegt.
Und trotzdem gibt es noch so viel Schönes zu bewundern....
Frohe Ostern wünsche ich unseren Gästen und Cuxhavenern!